Die Schweiz steht mitten in einer tiefgreifenden Transformation ihres Energiesystems. Während Photovoltaik-Anlagen in rasantem Tempo zugebaut werden, hinkt die Nutzung des produzierten Solarstroms oft hinterher: Viel Energie wird noch immer ins Netz zurückgespeist, statt vor Ort genutzt. Mit dem virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) hat sich das nun fundamental geändert.
1. Was ist ein vZEV – und warum ist er so relevant?
Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Liegenschaften, die am gleichen Niederspannungsnetzbereich angeschlossen sind, ihren Solarstrom gemeinsam nutzen – auch wenn sie nicht auf demselben Grundstück liegen. Dieser Schritt erweitert den bisherigen ZEV erheblich und öffnet die Tür zu völlig neuen Modellen der Energienutzung.
Es entsteht eine Art lokale Energiegemeinschaft, die weder physisch benachbart noch baulich verbunden sein muss – Hauptsache, der Strom fliesst über denselben Verteilkreis.
Das ist ein Paradigmenwechsel:
Solarstrom wird regionaler, fairer, flexibler.
2. Warum der vZEV genau jetzt kommt
Die Energiestrategie 2050 und der zunehmende Bedarf an sauberem Strom verlangen Lösungen, die schnell skalieren und wenig Bürokratie verursachen. Der vZEV erfüllt genau das:
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Er erhöht den Eigenverbrauch, ohne Infrastruktur aufzublasen.
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Er entlastet das Übertragungsnetz, weil weniger Strom über grosse Distanzen transportiert wird.
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Er macht Solarstrom wirtschaftlicher, da lokale Nutzer bessere Konditionen erhalten als bei einer Einspeisung ins Standardnetz.
Die politischen und regulatorischen Grundlagen dafür wurden über Jahre vorbereitet – 2025 ist nun das Jahr der Umsetzung.
3. Wie Nachbarschaftsstrom Realität wird
Die Schweiz bewegt sich damit auf ein Modell zu, das in Ländern wie Österreich oder Deutschland schon länger getestet wird: Lokale Energiegemeinschaften, die aus der unmittelbaren Umgebung Strom beziehen.
Beispiele aus ersten Pilotversuchen zeigen:
Wenn Produzenten und Bezüger in der gleichen Region zusammenfinden, entsteht ein System, das effizienter, ökologischer und transparenter funktioniert.
Solarstrom vom eigenen Quartier – statt anonym aus dem Überlandnetz.
4. Chancen und Herausforderungen
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Mehr Eigenverbrauch, bessere Preise, stärkere lokale Wertschöpfung.
Doch der vZEV bringt auch Fragen mit sich:
Wie werden die Abrechnungen gestaltet? Wie reagieren Netzbetreiber? Was bedeutet das für Netzkosten oder Tarifmodelle?
Einige Netzbetreiber sehen Chancen, andere weisen auf potenzielle Mehrkosten für die Allgemeinheit hin. Klar ist: Der Markt bewegt sich – und er bewegt sich schnell.
5. Warum der vZEV die Zukunft des Schweizer Strommarkts prägt
Der vZEV ist weit mehr als eine technische Regeländerung. Er ist ein neues Denkmodell:
Strom wird nicht mehr nur produziert und eingespeist – er wird geteilt, regional gehandelt und bewusst genutzt.
Damit entsteht eine neue Energie-Kultur:
lokal, erneuerbar, gemeinschaftlich.
Und Plattformen, die Menschen in der Region zusammenbringen, werden dabei zu entscheidenden Akteuren. Nicht als Versorger, sondern als Vermittler.
Zwischen Menschen, Häusern und der Sonne.
